2012

Ein Reisebericht von Sabrina Heiler.

Wenn ich an meine Zeit in Ghana denke, kommen mir ein paar Dinge sofort in den Sinn: Kinderlachen, feuchte Hitze, Kochbananenchips und herzliche Menschen. Mit etwas Wehmut und ganz viel Sonne im Herzen denke ich unglaublich gerne an die Zeit zurück.

Meine Freundin Lilli und ich reisten 2012 zur C. Academy. Es war unsere erste Reise in ein Entwicklungsland und endlich konnte ich meinen Herzenswunsch, nach Afrika zu reisen und mit Kindern zu arbeiten, verwirklichen. Die C. Academy in Kasoa in der Nähe der ghanaischen Hauptstadt Accra schien mir das perfekte Projekt dafür. Wir waren relativ unerfahren und hatten lediglich eine Emailadresse von Jayaliila, der Schulleitung, übermittelt bekommen. Alles Weitere (Visum, Flüge, Infos zum Land, zum Reisen als Frau in Ghana, …) organisierten wir selbst.

Wir wussten nicht wirklich, was uns erwartet, es war nur „dieses große Abenteuer“, das man im Leben einmal erlebt haben muss. Der große Tropenschock, als wir aus dem Flugzeug stiegen – es war nachmittags in Ghana und so heiß und feucht, wie man es sich nicht vorstellen kann – brachte in mir einen Gedanken hervor: genau sowas suchte ich. Erfahrungen, die mich an meine Grenzen brachten. Jayaliila erwartete uns am Flughafen und das Abenteuer begann 😊

An der Schule liefen uns die Kinder entgegen und umringten das Taxi – alle waren so fröhlich, aufgeregt und glücklich – eine meiner schönsten Erinnerungen an die Zeit! <3

Wir konnten uns zunächst etwas akklimatisieren und das Schulleben kennen lernen. Wir schnupperten überall rein und sammelten erste Eindrücke. Die älteren Kinder der Nursery (zwischen 3 und 5 Jahren) waren „unsere Klasse“. Gemeinsam lehrten und lernten wir spielerisch Zahlen, erste Buchstaben, Formen und Farben. Das Lehren war teilweise eine Herausforderung, da wir keinen eigenen Raum besaßen, sondern auf der Veranda unterrichteten und die Kinder oft den „Klassenraum“ verließen oder andere Kinder dazu kamen – Unterricht, wie man ihn aus Deutschland kannte, war so nicht möglich. Deshalb unser Ziel: Improvisieren und Spaß am Lernen vermitteln!

Damals war Vieles noch anders als heute: es gab kein eigenes Volunteers-Badezimmer, keine Möbel in unserem Raum außer den Betten und einem kleinen Tisch, kein fließendes Wasser. Das Wasser zum Duschen/Waschen mussten wir aus dem Brunnen holen, es gab häufig tagelange Stromausfälle (Kerzenlicht ist unheimlich atmosphärisch 😉 ) und Internet nur an einem einzigen Computer, der nur manchmal funktionierte.

Neben der Arbeit an der Schule reisten wir an den Wochenenden und in den Schulferien durch Ghana und erlebten Land und Leute. So reisten wir in die Volta-Region und erlebten die Berge um Hohoe mit Wasserfällen und grüner Natur; wir reisten die komplette Küste ab von Ost nach West und erlebten immer wieder unglaublich hilfsbereite Menschen, die alles stehen und liegen ließen, um uns zu helfen oder den Weg zu zeigen. Wir tanzten Azonto und reisten in das Stelzendorf Nzulezu; wir erlebten eine Dschungelnacht und liefen durch die Baumwipfel des Kakum Nationalparks. Unser Reiseführer von Jojo Cobbinah (Peter Meyer Verlag) rettete uns so manches mal: man glaubte es nicht, aber die Beschreibungen passten jedes Mal auf’s Wort („Reist mit dem Trotro in das abgelegene Bergdorf xxx und fragt dort nach dem Guide xxx. Der wird euch den schönsten Wasserfall der Welt zeigen.“ – und genau so war es!).

Wir lernten so viele tolle und herzliche Menschen kennen, die stolz auf ihr Land und ihre Leute sind, starke Frauen und interessierte Menschen, die „unsere Welt“ verstehen möchten.

Um die Liste oben zu ergänzen – Ghana bedeutet für mich:

Sonnenschein, Lachen, Lachen, Lachen, Musik, Lebensfreude, tropische Strände, abenteuerliches Reisen, Kennenlernen von anderen Volunteers und der Austausch miteinander, die Erweiterung meines Horizonts, aber auch der Müll, Staub, Schwitzen, das einfache Leben, kulinarische Genussmomente, der ewig krähende Hahn vor unserem Zimmer (grrrr) und die lebendigen, aufgeweckten Kinder gehören dazu.

Die Monate in Ghana gehören zu den lehrreichsten, spannendsten und wunderschönsten Momenten in meinem Leben.