2018

September - Dezember 2018

Ein Reisebericht von Louise Baumann

Ich weiß noch genau, wie ich in Ghana angekommen bin und unfassbar viele Sachen gefühlt habe: Vorfreude, Angst, Nervosität, Aufregung. Glücklicherweise wurde ich von Jayaliila, der Schulleiterin, vom Flughafen abgeholt, sodass ich mich erstmal zurücklehnen und entspannen konnte.

Im Rahmen meines Lehramtstudiums ist es vorgesehen, dass ich in einem englischsprachigen Land für einige Zeit entweder studiere oder ein Praktikum absolviere. Für mich kam eigentlich nur zweite Option in Betracht, weil ich es sinnvoll fand, schon einmal praktische Erfahrungen zu sammeln. Über das Zielland war ich mir aber noch nicht im Klaren – bis mir eine Freundin von einer Freundin erzählte, die einen gemeinnützigen Verein gegründet hat, der eine Schule in Ghana unterstützt. Das fand ich super beeindruckend und nach einigen Gesprächen saß ich dann auf einmal selbst im Flugzeug nach Ghana, auf dem Weg zu dieser Schule. 

Die ersten Tage waren aufs Ankommen ausgelegt: sich an die neue Umgebung, Essen, Hitze, Menschen gewöhnen. Und dann natürlich ganz langsam in den Schulalltag einsteigen. Bevor ich selbst unterrichtet habe, habe ich zunächst hospitiert. Das bedeutet, dass ich einige Lehrer begleitet habe, um zu verstehen, wie das Schulleben organisiert ist und wie der Unterricht aufgebaut und durchgeführt wird.

Tatsächlich musste ich feststellen, dass alles ziemlich nach Plan abläuft. Es gibt feste Ziele für jedes Schulhalbjahr, die erfüllt werden müssen und konkrete Unterrichtsinhalte, die vorgegeben sind. Bevor eine neue Woche anfängt, überlegt man sich einen genauen Ablauf, immer im Hinblick auf die Einhaltung der übergeordneten Ziele.

In Absprache mit der Schulleitung habe ich dann die Kindergarten-Klasse übernommen, weil hier zu der Zeit gerade der größte Bedarf war und ich ohnehin auf Grundschullehramt studiere. Ich erinnere mich unheimlich gerne an diese Zeit zurück, weil ich glaube, dass nicht nur ich in dieser Zeit viel gelernt habe, sondern auch die Kinder. Mal wurde unser improvisiertes Klassenzimmer zum Atelier, mal zum Spielplatz und die ganze Zeit über hoffentlich zu einem tollen Lernort.

Mein Alltag war auf jeden Fall vom Unterrichten und Unterricht vorbereiten bestimmt. An den Wochenenden ist aber keine Schule und man hat frei. Während des Praktikums bin ich aber eher wenig gereist, außer einigen wenigen Tagesausflügen in die Hauptstadt oder einen nahegelegenen Strand (Kokrobite), weil dies für die restliche Zeit in Ghana schon fest eingeplant war. Die Wochenenden waren aber auch so gut gefüllt: Tofu herstellen, Wände streichen und bemalen, Materialschrank sortieren und was auch dazu gehört – Aufräumen und Wäsche waschen. Nebenbei wurde man dann von Jayaliila mit der leckersten Papaya und Ananas verwöhnt.

Was ich aus Ghana mitnehme, ist schwer in Worte zu fassen. Mein Kopf und Herz sind voller Eindrücke, Erlebnisse, Erfahrungen und Begegnungen, die mich sehr bereichert haben. Der Abschied von Cosmic, meiner Klasse und Jayaliila ist mir sehr schwer gefallen. Deshalb bin ich froh über Plietsch nach wie vor die Verbindung zu Ghana zu haben und weiterhin unterstützen zu können.

September 2018

Ein Reisebericht von Christian Grosser.

Nachdem wir die Mengen an bürokratischen Hürden erfolgreich genommen und plietsch e.V. endlich ins Leben gerufen hatten, starteten die ersten Aktionen, die die ersten Spendeneinnahmen einbrachten. Anderthalb Jahre nach der Gründung sollte nun auch der erste Besuch an der C. Academy in Kasoa folgen.

So flogen drei Mitglieder von plietsch e.V. im September 2018 nach Ghana. Neben dem Besuch der C. Academy wollten wir natürlich auch das Land ein wenig bereisen, um uns mit den Menschen und der ghanaischen Kultur vertraut zu machen.

Sabrina fliegt schonmal vor

Sabrina, die 1. Vorsitzende von plietsch, flog bereits eine Woche vor Marlene und mir nach Ghana und stattete Jayaliila, der Schulleitung und den zu dieser Zeit ca. 75 Kindern ihren ersten Besuch seit ihrem Volontariat 2012 ab. In der ersten Woche verbrachte sie viel Zeit an der Schule. Sie besuchte den Unterricht der verschiedenen Altersstufen und leitete auch selbst einige Unterrichtseinheiten. Sie führte Interviews mit den Lehrerinnen und Lehrern, gestaltete ein plietsch-Banner mit einigen Schülern und führte viele Gespräche mit Jayaliila und den Schülern und Pädagogen der C. Academy. Zudem übergab Sabrina den ersten Spendenbetrag von 1500,-€ vor Ort direkt an die Schulleitung und besprach mit ihr gemeinsam, wie der Einsatz der Spendengelder aussehen könnte. Näheres könnt ihr hier nachlesen.

Die Nachhut rückt an

Eine Woche nach Sabrinas Anreise, am Montag, den 17.09., starteten dann auch Marlene und ich unser „Abenteuer Ghana“. Nach unterschiedlichen Startflughäfen traf man sich in Istanbul und flog die zweite Hälfte gemeinsam bis nach Accra. Am Flughafen wartete bereits Sabrina mit Gideon, dem Fahrer unseres Vertrauens, auf die Neuankömmlinge und zu viert ging es dann durch das abendliche Accra in Richtung Kokrobite, einem kleinen Dorf westlich von Accra, direkt am Atlantik.

In unserer Unterkunft „Big Milly‘s Backyard“ angekommen, schlossen wir den Tag bei einem Bierchen mit dem Ozean zu unseren Füßen ab. Den Tag danach verbrachten wir ebenfalls in Kokrobite, um uns erstmal zu akklimatisieren, die ghanaische Küche ausgiebig zu testen (ausgezeichnet!) und anzukommen, bevor es am Mittwoch auch für uns endlich zur C. Academy ging.

Die C. Academy

Der Empfang in der Schule war sehr herzlich. Die Schülerinnen und Schüler waren neugierig auf die „Neuen“ und Sabrina zeigte uns das Gelände und die Räume. Anschließend plauderten wir mit Jayaliila über die Geschichte der C. Academy, über Schwierigkeiten und Chancen und über die Rolle, die plietsch e.V. und somit ja auch wir dabei spielen. Anschließend verteilten wir Briefe, die wir von Schülern einer 6. Klasse aus Essen mitgenommen hatten und baten die Schüler der C. Academy ihnen eine Antwort zu schreiben, die wir dann wieder mit nach Deutschland nehmen würden. Nach Schulschluss hatten wir dann noch die Gelegenheit ein Interview mit Jayaliila zu führen, welches ihr euch hier ansehen könnt.

Am Donnerstag brachen wir dann bereits sehr früh am Morgen zur. C. Academy auf, um uns das „Morgenritual“ anzuschauen, bei dem die Schüler neben der ghanaischen Nationalhymne auch die Schulhymne singen und im Anschluss in ihre Klassen marschieren. Anschließend durften wir gemeinsam noch eine selbst entworfene Unterrichtseinheit zum Thema „Berufswunsch“ durchführen und eine Fragerunde mit den ältesten Schülern abhalten, bei der nicht nur wir die Schüler zu ihrem Alltag befragten, sondern auch sie uns interviewen konnten. Zum Schluss ließ es sich Jayaliila nicht nehmen, uns zusammen mit ihrer Köchin zu Mittag noch eine hervorragende Mahlzeit zu kochen, bevor wir dann zu unserem Reiseabenteuer aufbrachen.

Kakum Nationalpark

Nachdem wir nun die ersten 3 Tage in Kokrobite verbracht hatten, brachen wir am Freitag gen Westen auf. Wir reisten mit den einheimischen Verkehrsmitteln, den TroTros (umgebaute MiniVans) die Küste entlang bis Cape Coast und von da aus weiter ins Landesinnere, wo wir am Samstag den Kakum Nationalpark besuchten. Hier erhielten wir dank eines sehr kundigen Guides einen interessanten Einblick in die Flora und Fauna des Landes, die wir auch aus luftiger Höhe begutachten durften 😉 Ein kurzer Abstecher nach Cape Coast durfte natürlich auch nicht fehlen. Die Stadt erlangte traurige Berühmtheit, da sie bei der Verschiffung der Sklaven von Ghanas Goldküste nach Nordamerika eine zentrale Rolle einnahm.

Welcome to Paradise

Sonntags ließen wir dann unser Cottage und den Dschungel hinter uns und begaben uns auf eine mehrstündige Reise die Küste entlang weiter Richtung Westen. Der Weg führte uns teilweise über abenteuerliche Buckelpisten, bis wir schließlich zur „Hideout-Lodge“ in Butre gelangten, einem Ort, den man ohne zu übertreiben als Paradies bezeichnen darf.

Kleine Holzbungalows, verteilt auf einem wunderschönen grünen Anwesen, welches direkt an den Strand und den Atlantik grenzt. Lediglich wenige Touristen verirren sich hierhin und die Tagesaktivitäten beschränken sich auf baden im Ozean, relaxen am Strand, unfassbar leckeres Essen mit Meerblick und Strandwanderungen in das ca. 45 Minuten entfernte Busua.

Abschiednehmen in der C. Academy

Tiefenentspannt ging es dann am Mittwoch zurück zu unserer ersten Unterkunft in Kokrobite, von wo aus wir am Donnerstag zu unserem Abschiedsbesuch in die C. Academy aufbrachen. Dort lernten wir dann zunächst einmal Louise kennen, mittlerweile ebenfalls ein Mitglied und die erste durch plietsch e.V. vermittelte Volontärin an die C. Academy. Sie war erst wenige Tage vorher angekommen und bereits mit vollem Tatendrang dabei, ihre ersten Klassen zu unterrichten. Wir unterhielten uns, tauschten Erfahrungen aus und Sabrina konnte Louise viele nützliche Ratschläge für ihren insgesamt dreimonatigen Aufenthalt in Ghana geben. Im Anschluss sammelten wir die Antwortbriefe der Schüler ein, machten Fotos und begaben uns nach einer umfangreichen Verabschiedungsrunde zusammen mit Louise, die wir kurzerhand mitnahmen, zurück nach Kokrobite. Dort verlebten wir noch zwei entspannte Tage, bevor es dann am 28.09. wieder zurück nach Deutschland ging.

Fazit

Alles in allem hatten wir eine ereignisreiche und wunderschöne Zeit in Ghana. Wir bekamen die Gelegenheit, die C. Academy zu besuchen und uns somit vor Ort ein Bild von dem Projekt zu machen, welches wir mit plietsch e.V. unterstützen. Wir konnten mit Schülern, Lehrern und der Schulleitung sprechen und erhielten auf diese Weise einen für unser Vorhaben sehr wertvollen Einblick in das Geschehen vor Ort. Besonders die Gespräche mit Jayaliila über ihre Wünsche und Vorstellungen bzgl. unserer Unterstützung waren sehr aufschlussreich.

Abgesehen von den Vereinsaufgaben hatten wir aber auch die Möglichkeit, das Land ein wenig zu bereisen (wie bereits vorher befürchtet waren 2 Wochen einfach viel zu kurz), uns mit den sehr kontaktfreudigen und überwiegend freundlichen Menschen zu unterhalten, die ausgezeichnete ghanaische Küche zu genießen und uns von der umwerfenden Schönheit dieses Landes vereinnahmen zu lassen.

Ghana ist definitiv mehr als nur eine Reise wert. Wir werden mit Sicherheit wiederkommen.